Der Sinn

Ich sehe immer wieder so viel Schmerz, weil ein Mensch seinen Lebenssinn "noch nicht gefunden" hat. Dieser Schmerz mag nicht kleiner werden, wenn jemand dann erzählt, wie ihn der Sinn dann plötzlich, nach langem Ringen, gefunden hat. Hei: Ist es nicht Zeit, dieses Ringen zu beenden und sich endlich selber einen Sinn zu geben statt weitere Jahre darauf zu hoffen, dass er sich offenbart? Wir sind doch keine Opfer. Wem wollt ihr überhaupt die Macht über euch einräumen, euch einen Sinn vorzuschreiben. Damit macht ihr euch klein. Hier und heute: Mein Sinn ist es Leuchtturm zu sein. Und dann, wenn ich (noch oder wieder) keiner bin, zum Leuchtturm zu werden, um dann wieder Leuchtturm sein zu können. Das ist der Sinn, den ich mir selber gegeben habe.
Nur auf dieser selbstbestimmten Basis arbeite ich mit meinen Klient*innen.

Scharka Cernochova

verfasst am 09.10.2019

Gelassenheit

Gleichgültigkeit mag einen zum Verwechseln ähnlichen Geschmack haben wie Gelassenheit. Die Bewusstseinsfrequenz liegt aber meilenweit auseinander. 
 
Scharka Cernochova

verfasst am 01.09.2019

Die drei Siebe

Zum weisen Sokrates kam einer und sagte: "Höre, Sokrates, das muss ich dir erzählen!"
"Halte ein!" unterbracht ihn der Weise, "hast du das, was du mir sagen willst, durch die 3
Siebe gesiebt?"
"Drei Siebe?", fragte der andere voller Verwunderung.
"Ja, guter Freund! Lass sehen, ob das, was du mir sagen willst, durch die 3 Siebe
hindurchgeht: Das erste ist die Wahrheit. - Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft,
ob es wahr ist?"
"Nein, ich hörte es jemanden erzählen und..."
"So, so! Aber sicher hast du es im zweiten Sieb geprüft. - Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was
du mir erzählen willst, gut?"
Zögernd sagte der andere: "Nein, im Gegenteil..."
"Hm", unterbrach ihn der Weise, "so lasst uns auch das dritte Sieb noch anwenden. - Ist
es notwendig, dass du mir das erzählst?"
"Notwendig nun gerade nicht ..."
"Also”, sagte lächelnd der Weise, "wenn es weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass
es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit."

verfasst am 28.07.2019

Das Recht zu sein

Allein, dass wir aus der Quelle geschwuppst sind und uns verdichtet haben, bis wir uns in einen menschlichen Körper inkarnierten, gibt uns das Recht, zu sein. Lassen Sie sich dieses Recht von niemandem ausreden, am wenigsten von Ihnen selbst. Sie haben das Recht hier zu sein. Das Recht zu sein. Nicht das Recht alles zu tun was Ihnen beliebt, denn die anderen haben auch das Recht zu sein, und das gilt es zu respektieren. Sie sind aus der Quelle, aus der Einheit geschwuppst und sind also da. Mit einem Ich-Bewusstsein, das Sie in der Einheit nicht hatten. Denn ich kann nur «ich» sagen, wenn ich mich von etwas anderem unterscheide. Und dieses andere ist ein Zweites, also nicht mehr EINheit, nicht mehr eins. Sobald ich mich also als ein Individuum wahrnehme, bin ich nicht mehr in der Quelle, der Einheit. Umgekehrt, wenn ich wieder in die Einheit eintrete, höre ich auf zu existieren. Deshalb sagen die Mystiker, dass das Höchste Nichts ist. Nichts oder Alles. Denn dieses Nichts birgt das Potenzial für alles. Aus diesem Nichts ist alles hervorgetreten, was in irgendeiner Form der Verdichtung für uns sichtbar und wahrnehmbar ist. 

Scharka Cernochova

verfasst am 23.05.2019

Die schwarze Fee

Kennen Sie den Film «Die schwarze Fee?» Erschüttert hat mich an diesem Film nicht etwa, dass die Fee rachsüchtig ist, sondern dass eine Person, die gar nichts für den Streit zwischen ihr und dem König kann, nämlich die neugeborene Prinzessin, die Tochter des Königs, mit einem Fluch belegt wird. Haben Sie eventuell schon Partei ergriffen? Ist die Schwarze Fee der Bösewicht? Wirklich? Diese Frage ändert alles: «Was ist ihr denn angetan worden, dass sie so rachsüchtig geworden ist?» Tatsächlich hat ihr eben dieser König die Flügel gestohlen. Um König zu werden. Der frühere König wollte nämlich denjenigen mit seiner Nachfolge belohnen, der die Fee zur Strecke bringt. Aha, und jetzt, haben Sie eventuell die Partei gewechselt? Ist also der König der Bösewicht, weil er ihr die Flügel gestohlen hat oder sogar der Vorgänger, der das in Auftrag gegeben hat?

Was ist denn dem König angetan worden, dass er für den Thron bereit war so eine Gräueltat zu begehen? Er war in einem früheren Leben sehr arm, weil der damalige König unbezahlbare Steuern eingeheimst hatte. Und jetzt wollte er die Seiten wechseln und auch einmal ein fulminantes Leben leben. Das wäre nur der gerechte Ausgleich. Verständlich. Aha, dann ist also der König aus der früheren Inkarnation daran Schuld, dass die Prinzessin verflucht wurde.

Aber warum war denn der damalige König so geldhungrig, dass er bereit war, sein Volk so auszubeuten? Na ja, sein Vater hatte das schon gemacht. Schliesslich kann nichts daran falsch sein, wenn sein Vater ihm das vorlebte. Alles klar: Hätte also der Vater des Königs aus der früheren Inkarnation verantwortungsbewusst gehandelt, wäre die arme Prinzessin jetzt, Jahrhunderte später,  nicht mit einem Fluch belegt.

Sich mit Schuldfragen auseinanderzusetzen ist also eine sehr delikate und obsolete Sache. Vielmehr geht es darum zu verstehen, dass die Menschen aus einem schlimmen Schmerz heraus unkontrolliert, kindisch, böse, gehässig etc. handeln. Das entschuldigt ihre Taten in keiner Weise! Es erklärt sie nur und hilft uns, ins Mitgefühl zu gehen und uns von einer muffen Kassierin nicht anstecken zu lassen.

Ich habe das anhand eines Märchens aufgezeigt. Aber dieser Mechanismus findet überall um uns herum statt. Erinnern Sie sich, als der Mann von der Flugsicherung, der den Absturz über dem Bodensee nicht verhindern konnte, umgebracht wurde? Die Tat hat der Vater einer am Flugunglück Verstorbenen begangen, der seinen unbändigen Schmerz nicht kontrollieren konnte.

Und weshalb ist denn unsere Kassierin im Supermarkt so muff? Ihr Mann hört ihr nicht zu und sie leidet, weil sie so sehr gehört und gesehen werden möchte. Weshalb hört er ihr denn nicht zu? Er ist bei der Arbeit unter Druck, kämpft mit seinem Selbstwert, was er sich und schon gar nicht seiner Frau eingestehen würde und ist von Ängsten um die Zukunft eingenommen. Eigentlich möchte er sich nur in seine «Höhle» verziehen. Seine Frau nervt ihn nur noch mit ihrer Bedürftigkeit. Und warum will sie denn unbedingt gehört und gesehen werden von ihm? Sie fühlt sich überfordert mit den Kindern und ohnmächtig. Ausserdem hat sie Probleme mit ihrer Chefin, weil sie nicht freundlich ist zu den Kunden. Etwas Aufmerksamkeit von ihrem Mann würde ihr so gut tun, und ihm würde es so gut tun, wenn sie dafür Verständnis hätte, dass er seine Ruhe will.

So nebenbei zeigt sich hier, wie wir uns und unseren Mitmenschen gegenüber schlicht verpflichtet sind, in aller erster Linie dafür zu sorgen, dass wir selber in einem guten Zustand sind. Ich hoffe, dass der weit verbreitete Mythos, für sich selbst zu sorgen wäre egoistisch, inzwischen der Vergangenheit angehört. Erst wenn wir selber bei Kräften und ein Stück weit heil sind, haben wir Kapazität übrig, uns an andere zu verschenken.

Kreisläufe durchbrechen

Reife Menschen vermögen diese Kreisläufe, wie im Märchen und mit der Kassierin aufgezeigt, zu durchbrechen. Sie fühlen Rachegefühle in sich aufsteigen und agieren sie – im Gegensatz zur Schwarzen Fee ­­­- für sich selber an einem sicheren Ort aus statt gegen andere.

Sie fühlen den brennenden Wunsch in sich den Thron zu besteigen (z.B. Karriere zu machen), bleiben aber ihrem Wert treu – im Gegensatz zum König -, anderen damit nicht zu schaden. Sie sind sogar bereit auf den Thron zu verzichten und andere Wege zu beschreiten, auch wenn es weh tut.

Sie fühlen den Wunsch in sich, ein fulminantes Leben zu führen - was sie sich nicht erklären können, da sie sich nicht an die frühere Inkarnation erinnern können, als sie vom König ausgebeutet wurden -, würden aber für die Erfüllung andere nicht schädigen sondern einen redlichen Weg einschlagen und sich mit weniger zufrieden geben.

Sie würden auch nicht unreflektiert die Handlungen ihrer Väter übernehmen, wie das unser König aus der früheren Inkarnation tat, sondern auswerten, sich eine eigene Meinung bilden und nach ihr handeln.

Scharka Cernochova

verfasst am 04.01.2019

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